Ich werde dich vermissen

Seit letzter Woche lag meine Uroma im Krankenhaus, plötzlich arbeiteten ihre Nieren nicht mehr, später kam die Diagnose Lungenkrebs dazu und diese Woche erfuhren wir, dass die arme Frau unter Multiplen Krebs litt, denn auch Leukämie war auch nicht auszuschließen. Vor einer Woche war ich bei ihr, bei einem wundervollen Menschen, der mir so viel bedeutet hat. Sie erkannte mich nicht gleich, doch als sie meine Stimme hörte, lächelte sie über das ganze Gesicht. Es war für mich das letzte Lächeln, das schönste Lächeln, was ich von ihr bekam und das war das schönste Geschenk für mich, sie noch so lächeln zusehen und sie sprechen zu hören, was unverständlich war, doch eines konnte ich verstehen, als sie meinem Opa, ihrem Sohn,  antwortete: „Это не только твоя внучка, ну и моя! (Es ist nicht nur deine Enkelin, sondern auch meine)“

Die Tage nach meinem Besuch machten mich unruhig, ich konnte kaum schlafen, machte mir unglaubliche Sorgen und rief meine Mutter an, denn sie verbrachte bei ihr jeden Tag mindestens zwei Stunden. Ich fragte immer nach dem Wohlbefinden meiner Uroma, mal ging es ihr gut, sie war immer erfreut, dass meine Mama und meine Oma da waren und versuchte zu reden, auch wenn es ihr schwer fiel. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte ich einen relativ unangenehmen Traum, ich wusste sofort, dass irgendwas nicht stimmte. Ich träumte davon, dass meine Mama, meine Oma und ich im Wohnzimmer saßen und meine Uroma in einem anderen Zimmer lag. Sie bat meine Großeltern sie ins Wohnzimmer zu tragen und das taten sie auch und legte sie auf die Couch, wo sie dann ihr Kopf etwas hob und strahlend lächelte, dabei sagte sie in einem ruhigen Ton: „Jetzt kann ich in Ruhe sterben.“ Nach einigen Minuten stand sie aber auf und fing an bitterlich zu weinen, weil sie realisiert hatte, dass das wahr ist, dass sie sterben wird. Nach einiger Zeit setzte sie sich mit ihrem Lieblingsbuch auf die Couch und starb. Nach diesem Traum wusste ich, dass meine Uroma sich verabschiedete und am Mittwoch hatte sich ihr Zustand rasant verschlechtert und sie schloss ihre Augen und machte sie nicht auf.

Gestern fühlte ich mich unglaublich schlecht, ich saß völlig unruhig in der Vorlesung und mein Blick fiel immer wieder auf das Handy. Es waren keine neuen Nachrichten. Ich fühlte mich trotzdem sehr schlecht, immer wieder schweiften meine Gedanken ab und ich konnte mich kaum auf die Vorlesung konzentrieren. Mein Kopf wurde schwer und immer wieder stiegen meine Tränen in die Augen. Als die Vorlesung vorbei war, wollte ich eigentlich in die Mensa was essen gehen. Eine Freundin meinte, ich sehe ziemlich unmotiviert aus und ein Freund fragte mich, ob alles okay sei und ich fing an zu weinen, aus Trauer, dass es meiner Uroma so schlecht geht und sie uns verlassen wird.
Aus diesem Grund entschied ich mich, sofort nach Eberswalde zu fahren und sie zu besuchen, meine liebe Uroma, die so gern Geschichten aus der Vergangenheit erzählt hat. In Eberswalde angekommen, waren wir auch gleich im Krankenhaus, da lag sie.. die Augen waren geschlossen, ihr Atem war schwer, das Einzige was zu hören war, war das Blubbern des Atmungsgerätes, weil sie ohne ersticken würde und ihr Atem, wo man in jeder Sekunde erwartet, dass es aus bleibt. Ihre Arme waren aufgequollen und blau, durch die Stiche Morphiums. Sie tat mir unendlich Leid und es machte mich unglaublich traurig, dass sie auf nichts mehr reagierte und vor allem, wie drastisch sich ihr Zustand verschlechtert hat. Ich nahm ihre Hand, die völlig aufgequollen war und sie fing an zu stöhnen, was vergleichbar war mit einem Weinen und ich verstand sofort, dass es ihr weh tat und strich deswegen ganz zart über ihren Arm. Als sie für einen Moment aufhörte zu atmen, fiel mein Blick auf ihren Puls, der wie wild schlug und schluckte sofort den Kloß runter, der sich gebildet hatte. Nie hatte ich erwartet, dass es bald so enden würde. Immer wieder flüsterte ich ihr, dass sie nicht alleine sei, dass auch ich da war, das wir alle da seien. Allerdings gab es keine Reaktion, sie schlief. In Gedanken bat ich meinen Uropa sie von der schmerzhaften Qual zu befreien und zu sich zu holen, seine liebste Frau und ich sah sie immer wieder an, wie sie immer wieder nach Luft schnappte, meine liebste Uroma. Ich verbrachte den Abend bei ihr und dann fuhren wir zurück nach Hause, es ging mir etwas besser, denn sie schlief und durch den Morphium spürte sie keine großen Schmerzen..

Heute Mittag kam der Anruf meiner Tante, sie konnte es kaum sagen, weil es ihr selber schwer fiel, doch dann sagte sie, dass meine Uroma gestorben ist. Mein Uropa hat sie zu sich geholt und sie von all dem Schmerz befreit. Ich bin froh, dass sie nun an einem besseren Ort ist, doch im Inneren vermisse ich sie so sehr, ihre Geschichten aus der Vergangenheit, ihre Socken, die sie mir jedes Jahr gestrickt hatte, weil sie der Meinung war, dass meine Füße in Wärme gehalten werden müssen. Ihre Liebe zu mir und ihre Freude, als ich sie besucht habe. Meine Uroma ist eine unglaublich starke Frau, hatte eine harte Kindheit und Jugend, aber auch jetzt die letzten Jahre waren für sie kein Zuckerschlecken. Während ihre Lungen und ihre Nieren nachgaben, schlug ihr starkes Herz und sie lebte so lange, bis sie sich von allen verabschiedet hatte. Ich vermisse sie und habe sie einfach ganz doll lieb und ich hoffe, dass sie oben gut aufgehoben ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s